
Septische Gelenkchirurgie
Nach Angaben der Bundesgeschäftstelle für Qualitätssicherung wurden im Jahre 2008 über 300.000 Patienten in Deutschland mit einem künstlichen Knie- oder Hüftgelenk versorgt. Im gleichen Jahr erfolgten bundesweit über 30.000 Austausch-Operationen von Endoprothesen. Die periprothetische Infektion stellt dabei eine der gefährlichsten Komplikationen dar. Bei einer Infektionsrate zwischen 0,5 bis 2 % bei Primär-Operationen und zwischen 3 bis 7 % bei Revisionsoperationen ist somit für Deutschland von einer Zahl von über 5.000 infizierten Endoprothesen jährlich mit einer hohen Dunkelziffer aufgrund unzureichender Diagnostik auszugehen.
Die ENDO-Klinik zählt weltweit mit jährlich über 350 behandelten Patienten zu den größten Zentren in der Therapie von periprothetischen Infektionen.
Individuelles Behandlungskonzept
Die Diagnostik und Therapie dieser schwerwiegenden Erkrankung mit teilweise lebensbedrohlichen Krankheitsbildern stellt besondere Herausforderungen an die behandelnden Ärzte. Es sind interdisziplinäre Konzepte erforderlich, um bakterielle Entzündungen eines Gelenkersatzes erfolgreich therapieren zu können.
In unserer Abteilung für septische Knochen- und Gelenkchirurgie wird für jeden Patienten ein individuelles Behandlungskonzept entsprechend seiner Krankenvorgeschichte, seines mikrobiologischen Untersuchungsergebnisses sowie seiner Begleiterkrankungen und eventueller Allergien erstellt. Dieses vorgeschlagene Vorgehen wird vor jeder Operation mit dem Patienten und seinen Angehörigen ausführlich besprochen, erläutert und diskutiert.
Einzeitiger Wechsel
In den meisten Kliniken wird bei periprothetischen Infektionen ein zweizeitiges Wechselkonzept bevorzugt. Dies beinhaltet in der ersten Operation ein Entfernen der Prothese mit einem prothesenfreien Intervall von 6 bis 12 Wochen. In einer zweiten Gelenkoperation wird dann ein neues künstliches Gelenk wieder implantiert.
In der ENDO-Klinik Hamburg wurde in den 70er Jahren von Herrn Professor Hans-Wilhelm Buchholz und Herrn Professor Hans Lodenkämper das Diagnose- und Therapiekonzept der einzeitigen Austauschoperation mit sofortiger Endoprothesen-Reimplantation entwickelt und klinisch etabliert. Von 1976 bis zum heutigen Tage wurden über 10.000 Patienten mit diesem Therapieverfahren behandelt. Die Erfolgsrate hinsichtlich der Infektberuhigung mit der einzeitigen Wechseloperation unter radikalem Knochen- und Weichteil-Debridement sowie topischer und systemischer Antibiotika-Therapie wurde in den letzten Jahrzehnten immer wieder wissenschaftlich untersucht und lag dabei konstant zwischen 85 bis 88%.
Die Vorteile für den Patienten liegen dabei in einer kürzeren Verweildauer im Krankenhaus, der nur einmaligen Notwendigkeit einer operativen Maßnahme mit entsprechender Reduktion der Komplikationsmöglichkeiten ( Thrombose, Embolie, Wundheilungsstörungen, Bluttransfusionen, etc.) sowie besseren funktionellen Ergebnissen für das betroffene Gelenk durch den Wegfall des prothesefreien Intervalls mit einer Platzhalterprothese.


