Ernährung nach Bypass

Phase 1:
Aufnahmetag: bis mittags leichte Kost, abends 2 Packungen preop®, trinken bis 2h vor OP
OP-Tag: 24h nüchtern, 2000-3000ml Infusion
1.    p.o. Tag: 2000-3000ml Infusion, 1 Tasse Tee/d
2.    p.o. Tag: 1000-2000ml Infusion, 3 Tassen Tee/d
3.    p.o. Tag: Tee frei , Brühe,  abends Joghurt
4.    p.o. Tag: regelmäßig trinken, Brühe, Joghurt
                     5-6 sehr kleine Mahlzeiten
Dauer bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus.

Phase 2:
Nachdem die Patienten den Kostaufbaus im Krankenhaus toleriert haben, sollten ihre Mahlzeiten zunächst aus Suppen bestehen. Sie werden ganz langsam zu einer Ernährung übergehen aus pürierter und weicher Nahrung, die niedrig in Fett- und Zuckerzusammensetzung ist. Nahrungsbeispiele:

  • ungesüsster Apfelmus, pürierte Dosenpfirsiche (ohne Soße), weiche Bananen
  • püriertes Fleisch und Geflügel, weiche Eier, Baby-Nahrung
  • niedrig-fetter Käse, ungesüsster Pudding
  • weichgekochtes Gemüse, mit der Gabel zerdrückt
  • Hafergrütze, etc.

Nach Entlassung werden die Patienten bis auf weiteres angewiesen feste Nahrung zu meiden. Zuckerreiche Getränke sind generell untersagt. Medikationen dürfen nur in Pulverform oder als Lösung eingenommen werden. Am günstigsten sind Zäpfchen. Falls Tabletten notwendig sind diese am günstigsten zerkleinern.
Dauer etwa ein bis zwei Wochen beibehalten.

Phase 3:
Sie werden langsam zu einer leichten Ernährung übergehen, die sich auf Proteine und Milchprodukte stützt und wenig Zucker und Fett enthält.
Dieses Stadium ist individuell, Sie können Intoleranzen für bestimmte Nahrungsmittel erleben. Versuchen Sie diese Essensbestandteile nach einer Woche wieder und kauen Sie dabei besonders gründlich und essen Sie langsam.  Nahrungsbeispiele:

  • Fleisch/ Wurst; Hühnerflügel und Brust ohne Haut!
  • Eier, weichen Schuppen-Fisch, Dosen-Thunfisch, Tofu-Produkte
  • niedrig fetter Käse
  • gekochte oder Dosenfrüchte
  • Crackers, Toast, niedrig-zucker Cornflakes

Dauer etwa ein bis zwei Wochen beibehalten.


Nachdem Sie Phase 3 toleriert haben (ca. 6 Wochen nach OP), werden Sie jetzt langsam zu einer normalen Ernährung übergehen, die sich weiter auf Proteine und Milchprodukte stützt und weiterhin Zucker und Fett vermeidet. Es sollte schließlich schrittweise von weicher zu festerer Nahrung übergegangen werden. Hierbei sollte mit gekochtem Huhn und Fisch begonnen werden. Fleisch könnte einige Zeit überhaupt nicht vertragen werden. Sie werden zu langem Kauen der Speisen sowie zu Pausen zwischen den einzelnen Bissen angehalten. Beim Eintreten eines Völlegefühls sollte die Nahrungsaufnahme beendet werden. Angestrebt wird eine tägliche kalorienaufnahme von 1200 bis 1500 kcal.
Pro Tag sind 3 Mahlzeiten einzuhalten; das Auslassen einer Mahlzeit ist zu vermeiden. Zwischenmahlzeiten sollten wenn überhaupt nur wenige Kalorien enthalten, wie z. B. reines Popcorn, Sellerie oder Karotten etc.

Allgemeine Hinweise:
Limitieren Sie die Verwendung von Ölen, Fetten, Mayonnaise etc.! Trinken Sie viel Wasser. Vermeiden Sie Getränke ½ Stunde vor einer Mahlzeit. Trinken Sie eine halbe Tasse Flüssigkeit pro Stunde. Überessen Sie sich nicht – Hören Sie auf, wenn Sie satt sind! Essen Sie immer zuerst die Proteine (Milch, Käse, Fisch, Eier). Dann Gemüse und Früchte und dann erst Kornprodukte!

Allgemeine Grundsätze ein Leben lang:

  • Essen Sie langsam und kauen Sie gründlich!
  • Vermeiden Sie konzentrierten Zucker, dieser verlangsamt den Prozess des Abnehmens.  Durchfallgefahr!!
  • Vermeiden Sie hochfettige Produkte, diese können zu Durchfällen, Blähungen, Unwohlsein und Gewichtszunahme.
  • Trinken Sie keine großen Flüssigkeitsmengen mit Ihrer Mahlzeit oder kurz zuvor. Wenn Sie sich mit Flüssigkeit auffüllen, dann ist kein Platz mehr für ihr Essen.
  • Denken Sie daran: Ihr Magen kann nur wenige Milliliter nach der Operation aufnehmen. Sie werden sich möglicherweise satt nach ein bis zwei Esslöffeln fühlen. Überessen Sie sich nicht! Über die Zeit wird sich Ihr Magen ein wenig ausdehnen. Es braucht 6-9 Monate sich zu stabilisieren und Ihnen Ihre „normalen“ Essensmengen zu erlauben.
  • Hören Sie auf zu Essen, wenn Sie sich satt fühlen, wenn Sie dieses Zeichen ignorieren, dann wird Erbrechen folgen. Wenn Sie sich nicht fähig fühlen Sachen einzubehalten und Probleme haben hydriert zu bleiben, dann trinken Sie z.B. „Gatorade“, welches über Elektrolyte verfügt, die wichtig für den Erhalt der normalen Zellfunktion sind.
  • Trinken Sie mindestens 6-8 Tassen Flüssigkeit am Tag – besser mehr, um Dehydrierung zu vermeiden. (Kontrollieren Sie sich auf folgende Zeichen: Kopfschmerz, Abgeschlagenheit, Übelkeit, Lethargie, tiefe Rückenschmerzen, weißer Zungenbelag und dunkler Urin)
  • Vermeiden Sie häufige Zwischenmahlzeiten, welche zur Gewichtszunahme führen können.
  • Mahlzeiten und Snacks sollten stark proteinreich sein. Reihenfolge: zuerst die Proteine, dann Gemüse und letzlich die Kohlenhydrate.
  • Was sollten Sie meiden: Eis, Kakao, Pudding, Trockenfrüchte, Zucker-Cornflakes, Donuts, Kuchen, Kekse, Gelees (Grütze, Götterspeise, Sülze), normale Limonade, Cola, gezuckerter Eistee, Honig, Zucker, Süßigkeiten, Sirup
  • Führen Sie ein Ernährungstagebuch. Dort können Sie auch Unverträglichkeiten vermerken und vor allem sich selbst kontrollieren

Nahrungsunverträglichkeiten:
Die häufigsten Nahrungsunverträglichkeiten sind langfaseriges Fleisch (Schweine- und Rindfleisch).

Vitamin-Supplementation:
Mit einer Vitamin-Supplementation wird frühestens nach der 3. postoperativen Woche begonnen. Sie werden nach der Operation lebenslang zusätzliche Vitamine und Mineralien zuführen müssen, um Mangelernährung zu vermeiden, da Sie nicht alle Nährstoffe aus der Nahrung ausreichend absorbieren können.
Diese besteht aus einer täglichen Dosis an handelsüblichen Multivitamintabletten und Calcium (ca. 1000-1200mg /d). Denken Sie auch an die Spurenelemente Zink und Selen, die sollten in ausreichender Menge in den Multivitamintabletten vorhanden sein. Das Vitamin B12 wird wie nach Magenentfernung in herkömmlicherweise mindestens einmal pro Monat (1000 IE), besser quartalsweise verabreicht. Eine Überdosierung gibt es hier nicht, denn das überschüssige Vitamin wird ausgeschieden.
Es wird empfohlen, regelmässig den Vitamin- und Mineralienstatus per Blutentnahme kontrollieren zu lassen, um mögliche Mangelerscheinungen frühzeitig zu erkennen.
Bitte beachten Sie, dass Sie sich im ersten Jahr alle 3 Monate zur Nachkontrolle melden. Die spätere ärztliche Betreuung, mindestens einmal jährlich, wird individuell abgestimmt. Es muss eine lebenslange ärztliche Kontrolle erfolgen.

Denken Sie immer an ausreichende Bewegung!

Alles Gute von den Ärzten und Schwestern
der Abdominalchirurgie