2011
Claudia Hartz
„Molekulare Analyse des Hämarthros nach Kniegelenkarthroskopie“

2010
PD Dr. Nicole Prommer
„Die Bedeutung des Blutes für die Ausdauerleistungsfähigkeit“

2008
PD Dr. Norbert Stefan

2006
Dr. Sakir Ün

2005
Dr. Bernd Wolfrath

2004
PD Dr. Frank Ch. Mooren

2003
Katharina Oehlert
Thore Zantop

2002
Dr. Wolf Petersen
Natascha Kruse

2001
PD Dr. C. Weiss
Maren Ivers
Dr. A. Koch

2000
Dr. Lars Brechtel
Dr. Knut Miesner

1999
PD Dr. Petra Platen
Dr. Marco Schmidt

1998
Ann Christin Messerschmidt
Dr. Frank Meyer

Preisverleihung 2010

Keine Chance dem Blutdoping

(v.l.n.r.) Dr. Otto Kloppenburg, PD Dr. Nicole Prommer, Prof. Dr. Hans Rieckert

PD Dr. habil. Nicole Prommer erhält Schoberth Preis 2010 für bahnbrechende Arbeit über die Bedeutung des Blutes für die Ausdauerleistungsfähigkeit  

Damp, 27.11.2010. Ein wirkungsvolles Messverfahren im Kampf gegen Blutdoping hat die Sportwissenschaftlerin PD Dr. habil. Nicole Prommer im Rahmen ihrer Habilitation an der Universität Bayreuth entwickelt. Für diese Leistung erhält die 34-Jährige den Professor-Hannes-Schoberth Preis 2010, der in diesem Jahr zum 12. Mal von der Ostseeklinik Damp in Erinnerung an den Gründungsvater der Klinik verliehen wurde. „Wir zeichnen in diesem Jahr zum zweiten Mal eine Sportwissenschaftlerin aus, die mit ihrer bahnbrechenden Forschung weltweit für Aufsehen gesorgt hat und die dazu beitragen wird, dass der Hochleistungssport sauberer wird“, so Dr. Otto-Heinrich Kloppenburg, Ärztlicher Direktor der Ostseeklinik Damp.

Warum sind kenianische Spitzenläufer anderen Athleten überlegen? Was bringt Höhentraining? Ab wann kann ein erhöhter Sauerstofftransport im Blut auf Doping zurückgeführt werden? Diesen Fragen ging die Preisträgerin in ihrer Habilitation „Die Bedeutung des Blutes für die Ausdauerleistungsfähigkeit“ nach. Die Blutmenge im menschlichen Körper galt bislang als eine Größe, die routinemäßig nicht quantifiziert werden konnte. Gerade in der Sportmedizin/Sportwissenschaft ist sie aber von großer Bedeutung, da die Hämoglobinmenge als Bestandteil des Blutvolumens eine der entscheidenden Komponenten der Ausdauerleistungsfähigkeit darstellt.

Auf der Grundlage eines von ihr entwickelten und inzwischen weltweit als Standard angesehenen Messverfahren, bei dem mit Hilfe des Markers Kohlenmonoxid die Hämoglobinmenge bestimmt werden kann (CO-Rückatmungsmethode), konnte Dr. Prommer eine Reihe grundlegender Untersuchungen zur Trainings- und Höhenanpassung und zum Nachweis von Blutmanipulationen im Ausdauersport durchführen. Unter anderem untersuchte sie zehn kenianische Weltklasseläufer, die für ihre Studie nach Deutschland kamen und sechs Wochen lang in Bayreuth auf rund 300 Metern Höhe trainierten.

Professionelle Ausdauerathleten weisen mehr Hämoglobin in ihrem Blut auf als Untrainierte. Die Hämoglobinmenge bei Spitzensportlern lässt sich durch Ausdauertraining im Flachland jedoch nur geringfügig bzw. gar nicht erhöhen. Erst bei einem Aufenthalt von mindestens drei Wochen in einer Höhe von über 2.000 Metern können sie eine Steigerung der Hämoglobinmenge von im Mittel sechs Prozent erreichen. „Die landläufige Annahme, dass die Überlegenheit kenianischer Langstreckenläufer auf eine erhöhte Blutmenge zurückzuführen ist, konnte aber eindeutig widerlegt werden“, erklärt die Preisträgerin. Vielmehr haben unterschiedliche Anpassungen an die  Höhe bei den Afrikanern dazu geführt, dass der im Blut vorhandene Sauerstoff ökonomischer genutzt wird, so dass höhere Laufgeschwindigkeiten bei geringerem Sauerstoffbedarf als bei Europäern erreicht werden. Dies liegt unter anderem daran, dass z.B. weniger Beinmuskulatur mit Sauerstoff versorgt werden muss und günstigere Hebelverhältnisse vorliegen.

Wenn Spitzensportler bei der Hämoglobinmenge Steigerungsraten von mehr als zehn Prozent aufweisen, so ist davon auszugehen, dass diese nicht auf physiologischem Wege durch Training erreicht wurden, sondern durch die Manipulation mit Eigen- oder Fremdblut oder auch mit Erythopoietin. „Da die Erhöhung der Hämoglobinmenge um 1 Gramm die maximale Sauerstoffaufnahme um 4 ml/min ansteigen lässt, wird offensichtlich, dass saubere Athleten keine Chance gegenüber manipulierenden Sportlern haben“, resümiert die Preisträgerin.

Aufgrund dieser Ergebnisse wird von der internationalen Anti-Dopingbehörde WADA nun erwogen, das beschriebene Verfahren routinemäßig in der Doping Bekämpfung einzusetzen. „Das wäre natürlich eine schöne Bestätigung meiner Arbeit“, freut sich Dr. Prommer, die als Nachwuchswissenschaftlerin den mit 5.000 Euro dotierten Schoberth Preis sehr zu schätzen weiß.

Mit der diesjährigen Preisträgerin wird erstmals eine Leistungssportstudie ausgezeichnet. „Dr. Prommer hat eine methodisch sehr gute wissenschaftliche Arbeit vorgelegt, die mit aktuellem Bezug das Anliegen des Preises, Wissenschaft und Praxis im Sport zu verbinden, erfüllt. Die Arbeit legt den Grundstein für eine dauerhafte Überprüfung der Sauberkeit von Sportlern im Hochleistungssport“, so Prof. Dr. Hans Rieckert, emeritierter Professor des Instituts für Sport- und Sportwissenschaften der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und Vorsitzender des Preiskomitees.