Preisverleihung 2009
Achilles oder unverwundbar?
Für Trainingsprogramm ausgezeichnet: Der Schoberth-Preisträger 2009
Damp, den 25. November 2009. Ganz gleich ob Freizeit- oder Profisportler – in vielen Disziplinen gehören chronische Sehnenbeschwerden leider oft dazu. Diesen vorzubeugen, beziehungsweise sie mit der richtigen Behandlung zu lindern, ist das Ziel von Dr. Steffen Müller. Der gebürtige Schwabe ist der diesjährige Schoberth-Preisträger. Zum ersten Mal wird damit der mit 5.000 Euro dotierte Preis an einen Sportwissenschaftler vergeben. „Mit dem Schoberth-Preis möchten wir vor allem Arbeiten auszeichnen, die einen hohen praktischen Nutzen haben und dies trifft auf die Untersuchung von Herrn Dr. Müller zweifelsohne zu“, so Dr. Otto Kloppenburg, Ärztlicher Direktor der Ostseeklinik Damp, die den Schoberth Preis in Erinnerung an ihren Gründervater Prof. Dr. Hannes Schoberth seit 1998 alljährlich an Nachwuchswissenschaftler vergibt.
Dr. Steffen Müller hatte im Rahmen seiner Tätigkeit an der Universitätsklinik Freiburg und anschließend in der Hochschulambulanz der Universität Potsdam untersucht, inwieweit ein sensomotorisches Übungsprogramm bei Sportlern mit chronischen Achilles- und Patellarsehnenbeschwerden für Linderung sorgt. Dafür hatte der 34-Jährige Sportler mit chronischen Achilles- oder Patellarsehnenbeschwerden zur Studienteilnahme gebeten. Im Schnitt waren diese zwischen 35 und 40 Jahre alt und gingen einer Lauf- oder Sprungsportart nach. „Hier kommt es besonders häufig zu hohen Belastungen der Achilles- und Patellarsehne“, so der Sportwissenschaftler. Um den Nachweis zu erbringen, dass das sensomotorische Training positive Effekte auf die Patellar- und Achillessehne hat, wurden die Sportler vor Studienbeginn untersucht. Überprüft wurde die Bewegungskoordination im Laufen, die Stabilisationsfähigkeit im Einbeinstand, die Kraft der unteren Extremität und das subjektive Schmerzempfinden. Danach folgte für die Hälfte der Sportler mit Sehnenbeschwerden (Trainingsgruppe) die Einweisung in den Trainingsplan, der auf die gesamte untere Extremität ausgerichtet war. „Die Trainingsphase erstreckte sich über 8 Wochen. In dieser Zeit mussten die Sportler mindestens drei Mal wöchentlich eine halbe Stunde die Übungen durchführen“, erklärt Müller. Parallel zu dieser Trainingsgruppe bildeten die anderen Sportler mit Sehnenbeschwerden und eine Gruppe von gesunden Sportlern die Kontrollgruppen der Studie. Das sensomotorische Training besteht im Wesentlichen aus Übungen auf instabilen Untergründen, die auch Kräftigungsübungen in funktionalen Belastungssituationen wie beispielsweise Einbein-Kniebeugen oder Tiefsprünge beinhalten.
Am Ende der achtwöchigen Therapiephase folgte die Abschlussuntersuchung. „Dabei zeigte sich, dass die Sportler mit chronischen Sehnenbeschwerden der unteren Extremität eine Schmerzlinderung durch das Training erfuhren und gleichzeitig auch die Belastungs- und Leistungsfähigkeit der unteren Extremitäten zunahm. Das Training funktioniert also“, so der Sportwissenschaftler, dessen Arbeit nun mit dem Schoberth-Preis honoriert wird. Basierend auf den Ergebnissen dieser Studie steht Athleten mit Sehnenbeschwerden damit eine neue Therapiemöglichkeit zur Verfügung. Nach diesem Beleg des therapeutischen Effekts des sensomotorischen Trainings bleibt nun noch zu klären, ob der präventive Einsatz dieser Trainingsformen auch eine vorbeugende Wirkung aufweist und damit zu einer Verminderung der Entstehung von Sehnenbeschwerden führt.







